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Der Global Generation-Workshop in Deutschland

Der Umgang mit gesellschaftlichen Umbrüchen

Im September fand in Gussow bei Berlin der mittlerweile dritte Global Generation-Workshop statt. Schon der Seminarort war für viele eine Reise in die Vergangenheit. Die beige Holzvertäfelung, das Serviceverständnis eines Kollektivs – das ehemalige Arbeiterferienheim erinnerte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterbewusst daran, wie unterschiedlich die Menschen in Ost- und Westdeutschland einst lebten. Der passende Rahmen also für das Global Generation-Jahresthema „Erfahrungen nach einem gesellschaftlichen Umbruch“.

Die Trainerin Juba Khuzwayo aus dem WFD-Partnerprojekt SINANI in Südafrika moderierte den 3-tägigen Workshop. Mit ihren Berichten über das System der Apartheid und den Auswirkungen bis heute brachte sie den Stein ins Rollen. Was passiert nach einem gesellschaftlichen Umbruch? Wie gehen Menschen aus verschiedenen Ländern damit um? Das Ende der Apartheid, die Umwälzungen nach dem Zweiten Weltkrieg und der Fall der Berliner Mauer waren die Leitthemen.

Bei der Diskussion ging es auch mal heiß her. Eine Teilnehmerin erzählt, wie sie nach dem Fall der Mauer in Menschenketten für den Erhalt des Staates demonstrierte. Ein Staunen geht durch die Gruppe. Mit Leichtigkeit fängt die Trainerin Juba die Situation auf: „You are all experts“, sagt sie und meint damit, dass wir alle Expertinnen und Experten für unsere persönliche Geschichte sind und stolz darauf sein sollten.

Die Atmosphäre in der Gruppe war durchaus vertraut, viele persönliche Erlebnisse kamen zum Vorschein, die systematisch verglichen wurden. So berichtet ein Teilnehmer, er habe das erste Mal nach 60 Jahren wieder über die Erlebnisse im Krieg nachgedacht. Im Wiederaufbau wurde über vieles geschwiegen, die Arbeit lenkte von den Gefühlen ab. Zeit, das Erlebte zu reflektieren blieb bei den meisten kaum. Spannend war zu sehen, wie unterschiedlich die Auswirkungen eines Umbruchs für die einzelnen Betroffenen sind. Während für manche der Fall der Berliner Mauer höchst bedrohlich war, weil er eine komplette Neuorientierung mit vielen Verlusten bedeutete, betonten andere ihre Befreiung aus dem Westberliner Inseldasein.

Als eine wichtige Gemeinsamkeit erkennt die Gruppe wiederum „den Raum, um nach einem Umbruch über die Geschehnisse zu reden.“ Im Global Generation-Workshop sei sie das erste Mal überhaupt nach ihrer Geschichte gefragt worden, erzählt eine Teilnehmerin begeistert. Für den Weltfriedensdienst ein Signal, weiterhin Räume des Austauschs zu schaffen.

Richard Oelmann

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